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Biodiversität fördern

Was wir in unseren Gärten für die Artenvielfalt tun können

Fotografie: Benedikt Dittli

Jeder Garten zählt…

Ein naturnaher Garten kann erstaunlich viel für die Biodiversität leisten — selbst auf kleiner Fläche lassen sich mit gezielten Massnahmen und bewussten Entscheidungen wertvolle Lebensräume für Pflanzen und Tiere schaffen.

Entscheidend ist vor allem Vielfalt: unterschiedliche, vorwiegend einheimische Pflanzen, abwechslungsreiche Strukturen, Wasserstellen und möglichst wenig Eingriffe sowie den Verzicht auf Pestizide und chemische Dünger.

Besonders wichtig für die Erhaltung der Artenvielfalt ist die Vernetzung der verschiedenen Lebensräume, denn sie stärkt Flora & Fauna nachhaltig. Gerade in Zeiten der zunehmenden Zersiedelung mit Folgen wie Verdichtung, Bodenversiegelung, Lichtverschmutzung und dem Schwund an wertvollen Ökosystemen, rückt die naturnahe Gestaltung privater Gärten und die Begrünung öffentlicher Siedlungsräume vermehrt in den Fokus.

Hier sind die wirksamsten Massnahmen:

Heimische Pflanzen verwenden
Naturgarten Bepflanzung Nattternkopf Lieblingspflanzen Echium vulgare
Realisierte Projekte Naturgarten Inseln der Artenvielfalt Salamander Naturgarten Raupe Schwalbenschwanz Wildfenchel
Salix caprea Bepflanzung Naturgarten Lieblingspflanzen
Bläuling Saat-Esparsette
Blumenwiese, Bienenweide, Naturnaher Garten
Blumenwiese, Bienenweide, Naturnaher Garten, Schmetterling

Einheimische Pflanzen sind für die lokale Fauna viel wertvoller als exotische Pflanzen. Über die Koevolution haben sich diese mit Insekten, Vögel und anderen Tieren über Jahrhunderte zusammen entwickelt und sich gegenseitig aneinander angepassst. So gibt es z.B. zahlreiche Insektenarten, welche eine ganz bestimmte einheimische Pflanzengattung als Futterquelle benötigen. Ein gutes Beispiel dazu sind die Schmetterlinge aus der Artenfamilie der Bläulinge. Es gibt in der Schweiz über 50 verschiedene Bläulingsarten, einige davon, wie z.b. der Wiesenknopf-Ameisenbläuling oder der Kronwicken-Bläuling sind dabei existenziell an bestimmte einheimische Pflanzenarten gebunden, da sich die Larven ausschliesslich von spezifischen Futterpflanzen ernähren. Es ist in der Tat so, dass einheimische Wildpflanzen das unersetzliche Fundament für unsere heimische Tierwelt bilden. Insbesondere auch darum, weil mit dem Verschwinden hoch spezialiserter Insektenarten dann auch die höheren Tiere wie Vögel, Amphibien und Kleinsäuger, welche sich von den Insekten ernähren, direkt betroffen sind.

Exotische Pflanzen hingegen liefern oft keinen geeigneten Nektar oder keine essbaren Blätter, Samen oder Früchte für die heimische Tierwelt. Einige dieser nicht heimischen Pflanzen sind sogar sogenannte „invasive Neophyten“ wie bspw. Kirschlorbeer, Robinie, Goldrute oder Japanischer Knöterich. Diese Pflanzen können durch ihren starken Verbreitungsdruck einheimische Arten komplett verdrängen. Dadurch gehen wichtige Nahrungsquellen verloren und die Artenvielfalt sinkt drastisch. Auch gefüllt blühende Pflanzen sind für die Förderung der Biodiversität meist wertlos, da ihre Stamina (Staubblätter) durch Züchtung zu weiteren Blütenblätter umgewandelt wurden und so kaum Pollen oder Nektar bieten.

Heimische Pflanzen dagegen sind besser an Boden, Klima, Niederschlag und lokale Schädlinge angepasst und benötigen deshalb weniger Pflege, Dünger oder Wasser – und fördern gleichzeitig stabilere Ökosysteme. Es ist deshalb wichtig, dem Standort angepasste Bepflanzungen zu verfolgen, damit sich langfristig funktionierende und stabile, robuste Pflanzengesellschaften entwickeln können.

Nachfolgend stellen wir einige besonders für die Biodiversitätsfördung spannende Arten aus dem umfangreichen Fundus der Wildstauden vor :

  • Natternkopf (Echium vulgare) – Spitzenpflanze für Wildbienen, lang und reichhaltig blühend
  • Kugelköpfiger Lauch (Allium sphaerocephalon) – nektarreich, wichtige Nahrungsquelle im Sommer
  • Lungenkraut (Pulmonaria officinalis) – fantastische Bienenweide – eine der ersten Pollenlieferanten im Frühjahr
  • Wolfsmilch-Arten (Euphorbia) – locken Wildbienen, Schwebfliegen, Käfer und Schmetterlinge an
  • Doldenblüter (Apiaceae) wie z.b. der imposante Riesen-Harstrang (Peucedanum verticillare)  oder die Wilde Möhre (Daucus carota) sind wertvolle Pollenspender im Sommer, wenn nicht mehr so viel blüht und besonders attraktiv für diverse Käferarten und Schwebefliegen.
  • Wegwarte (Cychorium intybus) – Ein Insektenmagnet und wichtiger Pollenlieferant für zahlreiche Wildbienenarten,  Nahrungslieferant für Vögel (z.B. Finken) durch die Samenstände im Winter. Die leicht verholzenden Stängel sind zudem wertvolle Überwinterungsquartiere für Insektenlarven.

Auch Blumenwiesen beinhalten besonders wertvolle Pflanzen:

  • Wiesen-Salbei (Salvia pratensis) – extrem beliebt bei Wildbienen und Hummeln
  • Wiesen-Flockenblume (Centaurea jacea) – lange Blütezeit und Nektarquelle bis in den Sommer
  • Saat-Esparsette (Onobrychis viciifolia) – hervorragende Bienenweide und gerne von Schmetterlingen besucht
  • Schafgarbe (Achillea millefolium) – robust, für Insekten aller Art
  • Wiesen-Glockenblume (Campanula patula) – sehr wertvoll für Hummeln

Sträucher & Bäume mit besonders hohem ökologischem Wert sind zum Beispiel:

  • Salweide (Salix caprea) – einer der wichtigsten Frühblüher überhaupt, mit reichlich Nektar & Pollen
  • Hartriegel (Cornus mas) – sehr frühe Blüten für Wildbienen
  • Schwarzer Holunder (Sambucus nigra) – Früchte für Vögel, Blüten für Insekten
  • Vogelbeere (Sorbus aucuparia) – wertvolle Nahrungsquelle für Vögel durch reichlich Früchte im Spätsommer und Herbst
  • Dornenreiche Sträucher wie Weissdorn (Crataegus laevigata), Schwarzdorn (Prunus spinosa), Sanddorn (Hippophae rhamnoides), Berberitze (Berberis vulgaris) oder viele einheimische Wildrosen, wie z.B. die Hechtrose (Rosa glauca) sind in Form von dichten Dornengebüschen und Hecken besonders wertvoll für Vögel, da sie durch die Dornen Schutz vor Räubern (insbesondere Hauskatzen) bieten.
  • Wildapfel (Malus sylvestris) – Insekten und Früchte für Tiere
Realisierte Projekte Garten auf Augenhöhe Silene flos-coculi Kuckucks-Lichtnelke
Biodiversität fördern Salamander Naturgarten Vogel Wildblume

Bei der Wahl der möglichst vielfältigen, heimischen Bepflanzung sollte speziell darauf geachtet werden, dass vom frühen Frühling bis in den Herbst im Garten etwas blüht, bzw. Samenstände und Früchte vorhanden sind – so dass ein konstantes Nahrungsangebot für Vögel, Bienen und andere Insekten geboten wird. Besonders wertvoll sind Pflanzen mit langen Blühzeiten, offenen Blüten und Früchten oder Samen für Tiere.

  • Frühblüher wie Krokus (Crocus vernus)Küchenschelle (Pulsatulla vulgaris),  Kuckus-Lichtnelke (Silene flos-cuculi) oder die Salweide (Salix caprea) für die ersten Wildbienen und Insekten.
  • Sommerblüher wie Natternkopf (Echium vulgare), Flockenblume (Centaurea), Feld-Witwenblume (Knautia arvensis) oder der Hirschwurz (Peucedanum cervaria), die Nahrung für Insekten und Schmetterlinge liefern.
  • Spät- und Herbstblüher wie Gelbe Skabiose (Scabiosa ochroleuca)Rosmarin-Weidenröschen (Ebilobium dodonaei), oder die Goldschopfaster (Aster linosyris). Um das Pollen- und Nektarangebot noch zu verlängern, kann es auch Sinn machen, üppig blühende, nicht einheimische Arten wie z.B.  Myrten-Aster (Aster ericoides) einzusetzen.
  • Einheimische Sträucher und Bäume bieten ab Sommer bis weit in den Herbst wichtige Futterquellen für Vögel in Form von Früchten, so z.B. der Liguster (Ligustrum vulgare) oder Speierling (Sorbus domestica) oder die zahlreichen Wildrosen – Arten mit Ihren Hagebutten.
  • Stauden mit Samenständen für Vögel im Winter, wie z.B. die Rhätische Flockenblume (Centaurea rhaetica), die Eselsdistel (Onopordum acanthium), die Wilde Karde (Dipsacum fullonum) oder die Schwarze Königskerze (Verbascum nigrum)

Ein kurzer Zierrasen als reiner Gräserrasen ist ökologisch praktisch wertlos. Wenn die grüne Fläche nicht intensiv als Sportrasen genutzt wird, ist es daher ratsam, stattdessen eine Blumenwiese oder ein Blumenrasen anzusäen. Die sind nicht nur sehr hübsch anzusehen, da sich die ganze Saison hindurch verschiedene Blüten zeigen und für reichlich Abwechslung sorgen, sondern auch äusserst wertvoll für Wildbienen, Schmetterlinge und Insekten aller Art. 

Wie Sie beim Anlegen einer Blumenwiese vorgehen müssen, erfahren Sie hier.

Blumenwiese, Bienenweide, Naturnaher Garten

Viele Tiere brauchen Verstecke und unterschiedliche Mikrohabitate: Wildbienen, Insekten, Spinnen, Amphibien, Reptilien, Igel und co. haben unterschiedliche Lebensräume und Vorlieben. Ein Naturgarten wird besonders wertvoll, wenn unterschiedliche Lebensräume angelegt werden und diese mit verschiedene Kleinstrukturen kombiniert werden. So entstehen überlappende Kleinhabitate und sichere Verstecke für die vielfältige Gartenfauna.

Geeignete Lebensräume und Kleinstrukturen sind zum Beispiel:

  • Totholzhaufen – alte Äste aufgetürmt zu Asthaufen, stehende Tothol – Stämme, liegendes Holz aber auch Haufen aus Schnittabfällen von Stauden sind Rückzugsorte für Igel, Kröten, Käfer, Asseln, Spinnen und andere Bodeninsekten sowie Nistplätze für Wildbienen. 
  • Laubhaufen – idealerweise unter Bäumen oder Sträuchern setzen, dient als Überwinterungsquartier für Igel, Erdkröten, Käfer und Spinnen.
  • Steinhaufen, Trockenmauern – bieten Unterschlupf für Eidechsen, Blindschleichen, Igel und viele Spinnenarten und sind zugleich beliebte Sonnenplätze für Reptilien.
  • Wasserstellen, Teiche – als Trink- und Badestellen für Vögel und als Lebensraum für zahlreiche Wassergebundene Insekten wie Libellen und deren Larven, aber auch für Frösche, Kröten und Molche.
  • Sandflächen – für bodennistende Wildbienenarten.
  • Sträucher und Hecken – als Nistplätze für Vögel und zum Schutz vor Fressfeinden bieten sie auch Früchte als Nahrung im Spätsommer & Herbst. Am besten gemischte Hecken pflanzen mit einheimischen Sträuchern wie Liguster, Hartriegel, Hasel oder Kornelkirsche (Cornus mas) statt den eintönigen Thuja oder Kirschlorbeer.
  • Wildblumenbeete und Staudenflächen – eine bunte Mischung aus einheimischen Früh-, Sommer- und Herbstblühern ist ein nachhaltiger Nektar- und Pollenspender für Insekten und bietet Samen als Nahrung für Vögel.
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Vogel Hecke Biodiversität fördern Salamander Naturgarten
Biodiversität fördern Salamander Naturgarten Eidechse Totholz
Realisierte Projekte Naturgarten Inseln der Artenvielfalt Salamander Naturgarten

Auch wenn wir Naturbäder lieben – es muss nicht immer gleich ein Schwimmteich oder ein Naturpool sein, schon ein kleiner Teich steigert die Artenvielfalt massiv. Denn Teiche und andere flache Wasserstellen bieten Fröschen, Kröten und Molchen einen sicheren Ort zur Fortpflanzung. Libellen, Wasserläufer und viele andere Insekten nutzen sie als Lebensraum oder Eiablageplatz. Beim Teich ist wichtig zu beachten, dass unterschiedlich tiefe Zonen im Gewässer geboten werden. Flach abfallende und gut besonnte Ufer erleichtern Amphibien das Ein- und Aussteigen und die Laichablage, tiefere Zonen (ab 80cm) ermöglichen ihnen das sichere Überwintern unter der zugefrorenen Eisschicht. 

Auch ein Bachlauf oder kleine Pfützen können wichtig sein, vor allem in Gebieten, in denen natürliche Gewässer selten geworden sind. Denn Wasserstellen tragen zur Vernetzung der Lebensräume bei, weil sie Tieren Zwischenstationen auf ihren Wanderungen bieten. In städtischen oder stark versiegelten Gebieten sind kleine Teiche oft die einzige Möglichkeit für Tiere, sich fortzupflanzen oder Nahrung zu finden.

Gewässer sind aber nicht nur Trink- und Badestellen für Vögel und Säugetiere, sondern schaffen auch kühle, feuchte Mikrobereiche, die sonst selten im Garten vorkommen. Diese Feuchtzonen ermöglichen die Ansiedlung spezieller Pflanzenarten, die wiederum weitere Insekten und Kleintiere anlocken.

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